Chorgemeinschaft Köngen e.V.

18.05.2019 Erfolgreiches Premierenkonzert "25 + 4 Aquarelle" in der Peter- und Paulskirche Köngen

Geschrieben von Volker Fassnacht am .

Bericht von Volker Faßnacht, Fotos von Familie Wochinger

Erfolgreiches Premierenkonzert "25 + 4 Aquarelle" in der Peter- und Paulskirche in Köngen

  foto 01 peter und paulskirche köngen klein

 

Viel vorgenommen hatten sich die beiden beteiligten Orchester, das 1. Akkordeon-Orchester der Chorgemeinschaft Köngen e.V. und das Akkordeon-Orchester des Harmonika-Orchester Uhingen e.V. (HOU) mit einem rund 75-minütigen sinfonischen Konzert mit Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Nach 2014 mit den "Bilder einer Ausstellung" und den Sommerserenaden-Konzerten 2017 haben sich die beiden Orchester nun bereits zum dritten Mal zusammen geschlossen.

Grund des diesjährigen Zusammenschluss ist die Teilnahme am 13. Internationalen World Music Festivals 2019 in Innsbruck als Gemeinschaftsorchester in der Höchststufe. Ein Novum, zumindest für die Köngener, trat man doch seither in der Oberstufe an. Beim 10. und 11. Festival 2010 und 2013 konnte man den Wettbewerb jeweils in überragender Weise gewinnen. Die Uhinger haben 2016 beim 12. Festival den 2. Platz in der Oberstufe erreicht, vor 27 Jahren aber zusammen mit dem AO Baltmannsweiler auch schon einmal den 1. Platz in der Höchststufe erspielt.

Für beide Orchester also Gründe genug, eine neue Herausforderung zu suchen und gemeinsam in der Höchststufe anzutreten...

Neben dem Hauptwerk "25 Aquarelle für Akkordeon-Orchester" von Yuri Nikolaevich Shishakov, bekam das Publikum außerdem die "Finlandia" von Jean Sibelius, das "Adagio of Spartacus & Phrygia" von Aram Khatchaturian, die "Fantasia on a Theme by Thomas Tallis" von Ralph Vaughan Williams und den 2. Satz "Andante Moderato" aus der 4. Sinfonie in e-Moll von Johannes Brahms zu Gehör gebracht.

Nuancenreich, transparent, gefühlvoll und souverän zeigte sich das Gemeinschaftsorchester unter der Leitung von Thomas Bauer.

Pompös und majestätisch bei der "Finlandia", die ja Symbol des finnischen Nationalbewußtseins ("die heimliche Nationalhymne") gegen die Herrschaft Russlands um die Jahre 1900 ist. Sanftmütig, harmonisch tänzerisch und schmeichelnd dagegen beim Pas de Deux des Balletts von Spartacus und Phrygia, welches als zweites Stück auf dem Programm stand.

Im Anschluss sollte nun die "schwere Kost", die "25 Aquarelle für Akkordeon-Orchester" von Yuri Nikolaevich Shishakov folgen. Angekündigt als Werk der "12-Ton-Kompositionstechnik", deren Ursprung auf Arnold Schönberg zurückzuführen ist, ließ manchen Zuhörer Schlimmstes erahnen. Ein Kompositionsstil, der vorschreibt, dass jeder der 12 Töne einer Tonleiter zunächst genau einmal gespielt werden muss, bevor einer der Töne zum zweiten Mal erklingen darf. Sehr demokratisch und eine feine Sache für jeden Gleichstellungsbeauftragten zwar, aber klanglich halt auch anders als das, was den normalen Hörgewohnheiten entspricht.

Ein 12-Tonmusik-Thema mit 24 Variationen? Schwer vorstellbar, dass dies nun abwechslungsreich, interessant und in irgendeiner Weise wohlklingend sein könnte...

Dirigent Thomas Bauer hat das Stück auf seine ganz eigene Art zu erklären gewusst. Er vergleiche das Werk mit spielenden Kindern, immer die gleichen Kinder als Synonym für das immer gleiche Thema des Stücks. Man solle sich nun vorstellen, dass diese Kinder sich immer neu einkleideten. Mal mit den viel zu großen Gummistiefeln des Großvaters, mit den Kleidern des Vaters oder - um Himmels willen - geschminkt, wenn sie den Schminkkoffer der Mutter in die Hände bekommen hatten. Behäbig und ungeschickt, bedingt durch die viel zu großen Kleidungsstücke, mal verspielt, mal witzig, mal sich wild verfolgend oder tänzischer um sich drehend. Thomas Bauer empfahl das Stück als Inspirationsquelle der ganz eigenen Vorstellungswelt jedes einzelnen Gastes.

Überraschend vielseitig und die ständig wiederkehrende Tonfolge nicht erkennend, da innerhalb der verschiedenen Stimmen, rhythmisch, vom Tempo her oder/und klanglich variierend, versteckt, ein hervorragendes Werk, das vom Gemeinschaftsorchester Köngen/Uhingen sehr schön interpretiert wurde und von manchem Zuhörer als das schönste Stück des Abends bezeichnet wurde. Überraschend und nie zu erahnen, was als nächstes kommen würde - gerade so wie bei Kindern, bei denen man ja auch nie sagen kann, was sie wohl als nächstes aushecken würden...

Versöhnend für alle Zuhörer und Zuhörerinnen, die mit den "25 Aquarellen" doch nicht so recht etwas anzufangen wußten, waren dann die beiden weiteren Stücke des Konzerts, die "Fantasia" von Williams, eine Melodie zum Träumen und Dahinschwelgen und der 2. Satz aus Brahms' 4. Sinfonie in e-Moll, als Gegenstück zur 12-Tonmusik. Das Hauptmotiv wird unisono zuerst in E-Phrygisch vorgestellt und dann zart nach E-Dur moduliert. Im Rahmen des phrygischen Themas lässt Brahms zeitgenössische und archaische Harmonien aufeinander treffen. Ganz lyrisch in dunkel gehaltenem Bläserklang entwickelt sich der von Eduard Hanslick als „Elegie“ bezeichnete Satz, steigert sich und mündet in eine von der 1. und 2. Stimme umspielte Kantilene der 4. Stimme. Nach kurzem Mittelteil wiederholt sich die vorherige Entwicklung. Am Schluss reiben sich nochmals das trockene C-Dur-Motiv und die lyrischen, schließlich den Schlussakkord bildenden E-Dur-Klänge aneinander. Super schwer, da jeder falsche Ton deutlich hörbar zum Unmut des Dirigenten geführt hätte und die Zuhörer doch jäh aus dem harmonischen Brahms-Klang herausgerissen hätte.

Aber es gelang sehr gut, so dass das Publikum lautstark eine Zugabe forderte... und bekam!

Das "Intermezzo Sinfonico" aus der Cavalleria Rusticana von Pietro Mascagni setzte einen sehr ausdrucksstarken und passend zur Akustik der großen Kirchenhalle in äußerst langsamem und getragenem Tempo vorgetragen, würdigen Abschluss eines Akkordeonkonzert in sinfonischer, fast 50-köpfiger Großbesetzung, das für viele Zuhörer ein nicht zu erahnendes Klangerlebnis bot.

 

foto 05 peter und paulskirche köngen klein